Wildpflanzen und Pferde: Welche sind gefährlich, welche sind harmlos?
Ob Wiese, Weide, Wald oder Wegrand – die Umgebung des Pferdes ist reich an Pflanzen. Die meisten sind harmlos, doch einige können zu schweren oder sogar tödlichen Vergiftungen führen. Dieser Leitfaden hilft Ihnen, diese zu erkennen und den Lebensraum Ihres Pferdes sicher zu gestalten ✨
1. Warum fressen Pferde giftige Pflanzen?
Entgegen der verbreiteten Annahme besitzen Pferde keinen unfehlbaren Instinkt, der es ihnen erlaubt, giftige von ungiftigen Pflanzen zu unterscheiden. Bei Überweidung, Futtermangel oder schlicht aus Neugier können sie Pflanzen fressen, die sie unter idealen Bedingungen meiden würden. Vorbeugung setzt daher vor allem auf ein durchdachtes Weidemanagement und regelmäßige Kontrolle der Weideflächen 😉
Gut zu wissen: Pferde können nicht erbrechen. Bei einer Vergiftung durchlaufen die Giftstoffe das gesamte Verdauungssystem, was bestimmte Vergiftungen besonders schwerwiegend und schwer behandelbar macht.
2. Die gefährlichsten Pflanzen für Equiden
Jakobs-Kreuzkraut (Jacobaea vulgaris) — ⚠️ Sehr giftig
Eine der häufigsten Ursachen für Pferdvergiftungen in Europa. Seine Pyrrolizidinalkaloide reichern sich in der Leber an: Die Symptome (Gelbsucht, Gewichtsverlust, neurologische Störungen) treten manchmal erst mehrere Monate nach der Aufnahme auf. Getrocknet im Heu bleibt es genauso giftig wie im frischen Zustand.
Adlerfarn (Pteridium aquilinum) — ⚠️ Sehr giftig
Er zerstört Thiamin (Vitamin B1) und verursacht bei längerem Verzehr eine irreversible neurologische Vergiftung. Getrockneter Adlerfarn bleibt gefährlich. Er breitet sich zunehmend auf degradierten Weiden aus.
Gemeine Eibe (Taxus baccata) — ☠️ Tödlich
Wenige Gramm Nadeln genügen, um ein erwachsenes Pferd zu töten. Der Tod kann in weniger als einer Stunde eintreten, oft ohne vorherige sichtbare Symptome. Pflanzen Sie niemals Eiben in der Nähe einer Weide oder eines Paddocks.
Gemeines Kreuzkraut (Senecio vulgaris) — ⚠️ Giftig
Gleiche lebertoxische Wirkung wie das Jakobs-Kreuzkraut, wird jedoch oft übersehen, da es weniger auffällig ist. Kommt an Waldrändern, Wegrändern und schlecht gepflegten Weiden vor.
Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) — ⚠️ Sehr giftig
Stört den Herzrhythmus schwerwiegend. Alle Pflanzenteile sind gefährlich. Kommt an Waldrändern und in jüngst gerodeteten Bereichen vor.
Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) — ⚠️ Sehr giftig
Besonders heimtückisch, da sie im Herbst ohne Blätter blüht. Verursacht schwere Koliken, blutige Durchfälle und Atemlähmung.
Oleander (Nerium oleander) — ☠️ Tödlich
Häufig in Gärten und an Wegrändern im Süden Frankreichs anzutreffen. Schon wenige Blätter können tödlich sein. Auch das Wasser, in dem Blumensträuße eingeweicht wurden, ist giftig.
Achtung: Das Jakobs-Kreuzkraut ist besonders gefährlich, da seine leberschädigenden Wirkungen kumulativ und verzögert auftreten. Ein Pferd kann monatelang gesund wirken, bevor es plötzlich zusammenbricht. Weiden und Heu sollten regelmäßig und sorgfältig kontrolliert werden.
3. Ungefährliche oder nützliche Pflanzen für das Pferd
Viele Wildpflanzen sind für Equiden völlig unbedenklich oder sogar in kleinen Mengen nützlich. Sie gehören zur natürlichen Flora einer ausgewogenen Weide.
Löwenzahn (Taraxacum officinale) — ✅ Unbedenklich
Von Pferden gerne gefressen, unterstützt er die Leber- und Verdauungsfunktion. Reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Kann auf der Weide frei gefressen werden.
Wegerich (Plantago major / lanceolata) — ✅ Wohltuend
Die Wiesenpflanze schlechthin. Leicht adstringierend, hilfreich bei leichtem Durchfall.
Brennnessel (Urtica dioica) — ✅ Wohltuend wenn getrocknet
Reich an Eisen und Mineralstoffen. Getrocknet oder verwelkt verliert sie ihre brennenden Haare und kann als Ergänzung oder im Heu angeboten werden. Im frischen Zustand meiden Pferde sie in der Regel von selbst.
Wilde Wegwarte (Cichorium intybus) — ✅ Unbedenklich
Von Equiden geschätzt. Unterstützt die Verdauung. Häufig an Wegrändern und auf Blumenwiesen anzutreffen.
4. Goldene Regeln zur Sicherung der Weiden
Was zu tun ist:
- Weiden mindestens zweimal jährlich, im Frühling und im Herbst, kontrollieren
- Kreuzkraut mit Handschuhen an der Wurzel ausreißen
- Gekauftes Heu kontrollieren: Es kann getrocknete giftige Pflanzen enthalten
- Ein gutes Weidemanagement aufrechterhalten, um Überweidung zu vermeiden
- Schnittgut von Eiben, Oleander oder Buchsbaum aus den für Pferde zugänglichen Bereichen entfernen
Was zu vermeiden ist:
- Eiben, Oleander oder Fingerhut als Zaun- oder Heckenpflanze an der Weide pflanzen
- Gartenabfälle (Rasenschnitt, Schnittgut) für das Pferd zugänglich lassen
- Kompostieren in unmittelbarer Nähe des Paddocks
- Heu kaufen, ohne nach Herkunft und Produktionsweise zu fragen
- Eine Weide dauerhaft überweiden ohne Rotation
5. Saisonalität: Wann besonders aufmerksam sein?
Frühling — Kreuzkraut in voller Wachstumsphase, giftige Herbstzeitlosenblätter, rascher Vegetationsbeginn: das Risiko einer unbeabsichtigten Aufnahme ist erhöht.
Sommer — Adlerfarn erreicht seine maximale Entwicklung, Jakobs-Kreuzkraut blüht und bildet Samen: nicht aussamen lassen.
Herbst — Herbstzeitlose blüht ohne ihre Blätter und wird oft nicht erkannt. Getrockneter Adlerfarn bleibt giftig, auch wenn er ins Heu gelangt.
Winter — Die Eibe behält ihre Nadeln und Beeren. Zäune und nach Stürmen herabgefallene Äste überprüfen.
6. Bei Vergiftung: Was tun?
- Rufen Sie sofort Ihren Tierarzt oder die nächste Pferdeklinik an.
- Isolieren Sie das Pferd und entfernen Sie es von der verdächtigen Quelle.
- Bewahren Sie ein Pflanzenstück auf oder machen Sie ein Foto zur einfacheren Identifizierung.
- Notieren Sie den wahrscheinlichen Zeitpunkt der Aufnahme und schätzen Sie die aufgenommene Menge ab.
- Versuchen Sie keine Behandlung ohne tierärztlichen Rat und verabreichen Sie nichts.
7. FAQ
Mein Pferd hat Kreuzkraut gefressen – ist das schlimm? Eine einmalige Aufnahme ist besorgniserregend, aber die Giftwirkung ist vor allem kumulativ. Kontaktieren Sie Ihren Tierarzt, um die Situation einzuschätzen und bei Bedarf eine Leberkontrolle durchzuführen.
Kann Heu giftige Pflanzen enthalten? Ja. Getrocknetes Kreuzkraut, Adlerfarn oder Herbstzeitlose bleiben im Heu giftig. Bevorzugen Sie Heu von einem bekannten Erzeuger, das von gepflegten Flächen stammt.
Welche Hecke rund um eine Pferdeweide pflanzen? Bevorzugen Sie Haselnuss, Weißdorn, Schlehe oder Hartriegel. Vermeiden Sie unbedingt Eibe, Oleander, Buchsbaum und Liguster.
Sind Esel und Ponys genauso gefährdet wie Pferde? Ja. Alle Equiden reagieren empfindlich auf dieselben Giftpflanzen. Ponys und Esel, die bei der Futterauswahl oft weniger wählerisch sind, können sogar noch stärker gefährdet sein.
Diese Artikel sollten Sie nicht verpassen











