Einleitung: Was, wenn der Schlüssel zu Ihrem nächsten Turnier bereits am Vorabend liegt?
Sie bereiten Ihr Pferd wochenlang vor, feilen an Ihrer Technik, achten auf die körperliche Fitness … aber haben Sie auch an die Eingewöhnungseinheit am Vorabend des Turniers gedacht?
Im Reitsport ist eine Arbeitseinheit am Wettkampfort am Vorabend des Turniers nicht nur reglementskonform, sondern wird auch von Spitzenreitern und Trainern ausdrücklich empfohlen. Dennoch wird diese Praxis von Freizeitreitern häufig unterschätzt.
Warum ist die Eingewöhnung ein echter Leistungshebel? Wie kann man sie effektiv nutzen? Entdecken Sie unsere Erklärungen, begleitet von den Tipps unserer Profi-Reiter, die sie in ihre Routine integriert haben.
Was ist die Eingewöhnung des Pferdes bei einem Turnier?
Die Eingewöhnung bezeichnet die Arbeitseinheit am Wettkampfort, in der Regel am Vorabend des Turniers, damit sich das Pferd an seine neue Umgebung gewöhnen kann. Sie kann verschiedene Formen annehmen:
- Arbeit zu Fuß oder an der Longe
- Eine geritten Einheit
- Eine Vorstellung der Bahn
Das Ziel ist nicht, das Pferd zu erschöpfen oder komplexe technische Übungen zu wiederholen, sondern den Umgebungsstress vor dem großen Tag zu reduzieren und die letzten Feinabstimmungen vorzunehmen 🔥
Die nachgewiesenen Vorteile der Eingewöhnung
1. Stress und Angst des Pferdes reduzieren
Ein Pferd, das erst am Morgen eines Wettkampfs ankommt, kann von den Reizen überwältigt werden: unbekannte Gerüche, andere Pferde, die Geräuschkulisse, das Publikum, die Hindernisdekoration … Dieser physiologische Stress äußert sich in einem Adrenalinanstieg, der die Konzentration beeinträchtigen kann.
Die Einheit am Vorabend ermöglicht es dem Pferd, sich ohne den Druck des Wettkampfs an die Umgebung zu gewöhnen. Studien zum Verhalten von Pferden bestätigen, dass die schrittweise und stressfreie Exposition gegenüber einer unbekannten Umgebung Angstreaktionen dauerhaft reduziert. Das Nervensystem hat die Zeit, sich vor dem Wettkampf am nächsten Tag zu beruhigen.
2. Die Logistik des großen Tages optimieren
Wenn Sie am Vorabend anreisen, vermeiden Sie den Stress eines späten Morgentransports, unvorhergesehene Staus und ermöglichen Ihrem Pferd, vor dem Wettkampf eine Nacht zu ruhen ✨
3. Auch dem Reiter die Anpassung ermöglichen
Die Eingewöhnung kommt nicht nur dem Pferd zugute! Es ist auch die Gelegenheit für den Reiter:
- Die Besonderheiten des Geländes erkennen (Bodenbeschaffenheit, Gefälle, Ausrichtung)
- Potenziell stressige Bereiche für das Pferd erkennen (Ecken der Reithalle, Tribuneneingang …)
- Das Aufwärmprogramm für den nächsten Tag anpassen 💪
Eingewöhnung: Was sagt das Reglement?
Die Regeln variieren je nach Verband und Disziplin:
- Im Springreiten (FFE/FEI): Das geritten Arbeiten am Vorabend ist auf den Trainingsplätzen erlaubt.
- Im Dressursport: Die Reiter dürfen in den bereitgestellten Reithallen oder Außenplätzen arbeiten, häufig zu von der Organisation festgelegten Zeiten.
- Im Eventing: Die Geländebesichtigung zu Fuß ist reglementiert, aber eine allgemeine Eingewöhnung am Wettkampfort ist bereits am Vorabend möglich.
Informieren Sie sich beim Veranstalter immer über die Zugangszeiten zu den Plätzen und mögliche Einschränkungen 😉
Wie organisiert man eine effektive Eingewöhnungseinheit?
Dauer und Intensität: weniger ist mehr
Die Eingewöhnungseinheit soll Ihr Pferd nicht ermüden. Planen Sie maximal 20 bis 40 Minuten bei moderater Intensität ein. Das Ziel ist Entspannung, keine Leistung.
Progressiver Aufbau und Lesen der Umgebung
Beginnen Sie mit einer kurzen Vorstellung zu Fuß: Lassen Sie Ihr Pferd beobachten, schnuppern und lauschen. Steigen Sie dann auf und arbeiten Sie zunächst in den ruhigsten Bereichen, bevor Sie sich potenziell aufregenden Elementen nähern (Tribünen, Lautsprecher, große Planen …).
Mit einer positiven Note abschließen
Beenden Sie die Einheit immer mit einer gelungenen Übung, in Leichtigkeit. Ihr Pferd sollte die Bahn entspannt und selbstsicher verlassen – genau dieses Gefühl bleibt bis zum nächsten Tag erhalten 😉
An das Profil des Pferdes anpassen
Ein sehr emotionales Pferd braucht mehr Zeit zur passiven Erkundung. Ein entspanntes Pferd kann bei Bedarf technisch stärker gearbeitet werden. Den Charakter Ihres Pferdes zu kennen, ist entscheidend, um die Einheit richtig zu dosieren 🥰
❌ Fehler, die es zu vermeiden gilt
- Zu spät am Vorabend ankommen: Wenn das Gelände erst am späten Nachmittag zugänglich ist, ist eine kurze Einheit besser als nichts – planen Sie die Organisation aber rechtzeitig.
- Das Pferd überfordern: Eine zu lange oder zu intensive Einheit am Vorabend kann Muskelkater verursachen und die Energiereserven angreifen.
- Die Erholung vernachlässigen: Nach der Eingewöhnung muss das Pferd in einer sauberen Box ausruhen können, mit Wasser nach Belieben und qualitativ hochwertigem Raufutter.
- Stresssignale ignorieren: Wenn Ihr Pferd am Vorabend auf dem Gelände in Panik gerät, zwingen Sie es nicht. Kehren Sie zu den Grundlagen zurück – Beruhigen geht vor Training.
Erfahrungsberichte von Reitern: Eingewöhnung als Erfolgsgewohnheit
🚀 Von Mina Saiagh, einer unserer Eventing-Reiterinnen:
« Beim Eventing findet die Eingewöhnung in der Regel am Vorabend oder am Morgen unserer Dressurprüfung statt. Je nach Turnier dürfen wir in allen drei Gangarten arbeiten, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Rechtecke, während wir bei anderen Turnieren lediglich erlaubt bekommen, im Schritt mit langen Zügeln darum herumzugehen.
Im Allgemeinen besteht das Ziel darin, den Pferden die Möglichkeit zu geben, den Ort zu erkunden und sich mit den verschiedenen Elementen vertraut zu machen, die sie überraschen könnten (Bildschirme, Dekorationen, Blumentöpfe usw.). Ich lege besonderen Wert darauf, dass sie so gelassen wie möglich und aufmerksam auf meine Hilfen sind. Wenn der Boden zum Beispiel aus Gras besteht, lasse ich sie gerne ein paar Augenblicke grasen, wenn sie mögen.
Wichtig ist, dass sie eine positive und angenehme Erinnerung an diesen Ort mitnehmen, mit Blick auf die bevorstehende Prüfung. »
🐴 Eingewöhnung: das kleine Detail, das alles verändert – die Meinung von Clara Cazeneuve!
Wenige Minuten vor ihrer Dressurprüfung haben Eventing-Reiter oft die Möglichkeit, eine Eingewöhnung im Rechteck durchzuführen. Ein kurzer Moment … der aber alles andere als nebensächlich ist!
👀 Für das Pferd ist es die Gelegenheit, seine Umgebung zu entdecken: die Dekorationen, die Richterhäuschen, das Publikum oder die Buchstaben. Diese erste Begegnung ermöglicht es ihm, beim Einreiten in die Bahn ruhiger zu sein.
🎯 Für den Reiter ist es der Moment, sich zu orientieren, seine Prüfung zu visualisieren und vor dem Startsignal Selbstvertrauen zu gewinnen. Beim Eventing, wo jeder Punkt zählt, kann ein guter Einstieg den entscheidenden Unterschied machen.
✨ Am Ende sind diese wenigen Minuten weit mehr als eine Formalität: Sie fördern das Wohlbefinden des Pferdes, stärken das Vertrauen im Gespann und ermöglichen es, die Dressurprüfung mit mehr Gelassenheit anzugehen!
Für unsere Dressurreiterinnen:
Mado Pinto :
« Die Eingewöhnung beim Turnier ist für mich unverzichtbar. Ich passe diese Einheit zur Akklimatisation an jedes Pferd individuell an. Bei manchen investiere ich sehr wenig Zeit dafür, denn oft sind viele Pferde gleichzeitig auf der Bahn und einige können von den anderen beeindruckt oder verängstigt sein.
Mit anderen Pferden hingegen nehme ich mir wirklich die Zeit, sie auf der Bahn zu führen, damit sie ihre neue Umgebung ruhig und stressfrei entdecken können. Ich habe keine bestimmte Routine, außer dass ich eine möglichst individuell angepasste Einheit für jedes Pferd gestalte.
Meiner Meinung nach ist es essenziell, dass diese Eingewöhnung unter den bestmöglichen Bedingungen stattfindet, damit das Pferd entspannt, selbstsicher und bereit ist, seine Prüfung in bester Verfassung zu absolvieren. »
Alexia Pittier:
« Für mich ist die Eingewöhnung ein entscheidender Schritt beim Turnier. Sie ermöglicht dem Pferd, seine Umgebung kennenzulernen und seine Prüfung unter den bestmöglichen Bedingungen anzugehen.
Ein auf jedes Pferd abgestimmter Ansatz
• Manche brauchen viel Schritt, um zu beobachten und sich zu orientieren.
• Andere entspannen sich besser mit ein paar Minuten Trab und Galopp.
• Mein Ziel bleibt immer dasselbe: ein ruhiges, gelöstes und selbstsicheres Pferd.
Meine Routine
Ich beginne immer mit einer Runde auf der Bahn. Das gibt meinem Pferd die Möglichkeit, seine Umgebung zu entdecken. Dann lasse ich ihm einige Augenblicke, um die Umgebung zu beobachten. Anschließend starte ich die Einheit schrittweise, ohne ihn jemals zu drängen.
Meine bevorzugten Übungen
Ich priorisiere vor allem eine entspannende Arbeit. Ich reihe einfache Übergänge aneinander und arbeite dann im Trab und Galopp mit Fluss. In diesem Moment suche ich keine technisch anspruchsvolle Arbeit: Mein Ziel ist es, ein gelöstes und aufmerksames Pferd zu bekommen.
Das Beispiel von Sultan
Mit Sultan haben wir unser kleines Ritual. Ich nehme mir die Zeit, die Bahn im Schritt abzureiten, zusammen mit meiner Trainerin an meiner Seite. Dieser Moment hilft uns, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen und ihm zu ermöglichen, seine Umgebung vollständig zu entdecken und sich dabei zu entspannen.
Anschließend arbeite ich ihn für eine eher kurze Zeit. Sobald ich spüre, dass er entspannt, verbunden und in seiner Umgebung wohl ist, reicht mir das. Ich lasse ihn dann lieber in Ruhe, damit er seine Gelassenheit und Frische für den Wettkampf bewahrt.
💡 Was ich mit der Erfahrung gelernt habe: Eine gute Eingewöhnung ist nicht unbedingt eine lange Eingewöhnung. Das Wichtigste ist, auf sein Pferd zu hören und sich seinen Bedürfnissen anzupassen. »
✨ Und für Marie Catrevault, Springreiterin:
« Ich neige dazu, die Eingewöhnung als ersten Schritt meiner Turnierleistung zu betrachten. Noch bevor ich an die Prüfung denke, nehme ich mir gerne die Zeit, meinem Pferd zu ermöglichen, seine Umgebung zu beobachten und zu verstehen, wo es sich befindet. Jedes Pferd reagiert anders: Manche schauen kaum um sich, während andere etwas mehr Zeit brauchen, um Vertrauen zu fassen.
Ich nutze diesen Moment, um seinen Gemütszustand einzuschätzen und eine echte Verbindung aufzubauen, bevor ich in die Bahn einreite. Ich bevorzuge immer eine einfache Arbeit, mit vielen Übergängen und Leichtigkeit, um ein entspanntes, aufmerksames und feines Pferd zu erhalten.
Für mich ermöglicht eine gute Eingewöhnung, das Turnier mit mehr Gelassenheit anzugehen. Es ist ein Zeitinvestment von wenigen Minuten, das die Qualität der anschließenden Arbeit wirklich entscheidend verbessern kann. »
Häufig gestellte Fragen zur Eingewöhnung (FAQ)
Ist die Eingewöhnung verpflichtend? Nein, sie ist niemals verpflichtend. Aber sie wird dringend empfohlen, besonders für junge oder emotionale Pferde oder bei einer ersten Teilnahme an einem unbekannten Ort.
Wie lange vor dem Turnier sollte man anreisen? Wenn möglich, am Vorabend. Andernfalls mindestens 2 bis 3 Stunden vor dem Start, um eine ruhige Eingewöhnung zu Fuß und ein entspanntes Aufwärmen zu ermöglichen.
Ist die Eingewöhnung auch für sehr erfahrene Pferde sinnvoll? Ja, selbst routinierte Turnierpferde profitieren von einer kurzen Geländebesichtigung, insbesondere um sich an die Besonderheiten des Bodens und der Akustik anzupassen.
Fazit: 30 Minuten am Vortag investieren, um am großen Tag zu glänzen
Die Eingewöhnungseinheit des Pferdes beim Turnier ist eine der einfachsten und effektivsten Maßnahmen, um Ihre Ergebnisse im Pferdesport zu verbessern. Sie erfordert weder besonderes Material noch fortgeschrittene Technik – nur das Zuhören bei Ihrem Pferd und etwas logistische Vorausplanung.
Machen Sie den Vorabend des Turniers zu einem besonderen Moment für Ihr Pferd: Sie geben ihm die besten Voraussetzungen, um am nächsten Tag sein volles Potenzial zu entfalten.
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